Je länger der Krieg in der Ukraine dauert, umso klarer wird, wer machtpolitisch die Gewinner und die Verlierer sind: Russland und Europa gehen aus diesem Konflikt geschwächt hervor, China und die USA sind die großen Profiteure. Die Vereinigten Staaten erreichen durch den Krieg langverfolgte, strategische Ziele: Europa wird in Zukunft sehr viel Gas, Öl und Rüstungsgüter in Amerika kaufen und noch abhängiger von den USA werden. Die NATO baut unter amerikanischem Oberkommando ihre Positionen in Europa massiv aus und drängt Russland weiter zurück. Darüberhinaus ist es den USA eindrucksvoll gelungen, neben dem Krieg auf dem Schlachtfeld auch den Krieg um die Herzen zu gewinnen: dank Vladimir Putin werden die Vereinigten Staaten - zumindest im "Freien Westen" - wieder als Retter der Bedrohten und Hüter der Demokratie angesehen, eine Rolle, die sie schon in unzähligen anderen Machtkämpfen mit Überzeugung gespielt haben. Manche Experten und Medien abseits des westlichen Mainstreams sehen die Politik des amerikanischen Imperiums freilich kritisch: sie bezweifeln die hehren Motive der Entscheidungsträger in den USA und vermuten eine hidden agenda, deren oberste Priorität definitiv nicht der Schutz des Lebens und der Würde der Menschen ist.

Schwarz

Im Interview mit dem englischsprachigen indischen Nachrichtensender CNN-News18 bekräftigte der amerikanische Politikwissenschaftler John Mearsheimer im April 2022 seine Einschätzung des Krieges in der Ukraine. Er teilt nicht die im Westen vorherrschende Meinung, wonach die Verantwortung für das unglaubliche Leid der ukrainischen Bevölkerung ausschließlich bei Russland liege. Von CNN USA wurde Mearsheimer übrigens noch nie zum Ukraine-Krieg interviewt, ebensowenig wie der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger - und das obwohl CNN USA seit Februar 2002 nonstop über den Krieg berichtet.

Im September 2018 sprach der französischstämmige, russisch-amerikanische Journalist und Moderator Vladimir Pozner in der Yale-Universität über das zerrüttete Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Russland und die sich zuspitzende Gefahr eines Nuklearkrieges. In seiner Rede legt er überzeugend dar, welche Entscheidungen der USA die aktuelle Konfrontation der Großmächte in der Ukraine herbeigeführt haben.

Die Schweizer Website Swiss Policy Research (SPR) untersucht seit 2016 Schweizer und internationale Medien im Hinblick auf geopolitische Propaganda. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Berichterstattung über das nordatlantische militärische Verteidigungsbündnis NATO. Eine der zahlreichen Ressourcen des SPR ist ein Medien-Navigator, der 72 internationale Medien nach NATO-Konformität und gesellschaftspolitischem Weltbild klassifiziert.

Mediennavigator

Nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten im Jahr 2016 untersuchte der offizielle Sonderbeauftragte Robert Mueller, ob sich Russland zugusten Trumps in den Wahlkampf eingemischt habe. Aus diesem Anlass widmete sich die amerikanische Nachrichtenshow "Democracy Now!" der Frage, ob auch die USA die Wahlen souveräner Staaten manipulierten. Die Moderator:innen der Sendung interviewten dazu den ehemaligen New York Times-Reporter Stephen Kinzer, den Autor des Buches “Overthrow: America’s Century of Regime Change from Hawaii to Iraq.” Nach Kinzers Recherchen haben sich die Vereinigten Staaten zwischen 1946 und 2000 weltweit in mehr als 80 Wahlen eingemischt. Dabei wurden die zahlreichen US-gestützten Putsche und Invasionen nicht mitgezählt.