"Lese" heißt ein im Herbst 1995 erschienenes Buch über das Burgenland und seinen Wein. Vier Autoren und ein Fotograf machen sich dabei auf die Suche nach dem Wesen dieses in mancher Hinsicht kargen Landstrichs. Mein Beitrag setzt sich aus einer Auslese erlesener Zeitungsmeldungen zusammen.

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Am Rande

Schreck in der Morgenstunde für den Römerquelle-Arbeiter Alfred Handig: „Wie ich um viertel fünf das Tor aufsperr, kommen mir aus dem Werksgelände drei Polen entgegen. Gott sei Dank war die Gendarmerie schnell da!“

 

Oberwart

Insgesamt 29.432 Menschen wurden seit September 1990 beim illegalen Übertritt der österreichischen Grenze zwischen der Donau und der burgenländischen Gemeinde Mogersdorf von Einsatzkräften des Bundesheeres, der Gendarmerie und der Zollwache aufgegriffen. Dies berichteten heute Dienstag Heeresvertreter bei einem Pressetermin in der burgenländischen Bezirkshauptstadt Oberwart. Der überwiegende Teil der illegalen Flüchtlinge, nämlich 21.928 (74 Prozent), wurde von Soldaten im Assistenzeinsatz an der Grenze aufgegriffen.

Im „Gefechtsstand“ des Jägerregiments, der im alten, ausgedienten Krankenhaus von Oberwart untergebracht ist, hat man in den ersten Jänner-Tagen indirekt mit der Europäischen Union Bekanntschaft gemacht. „Nach dem Beitritt Österreichs“, erzählt Oberst Walter Pichler, „haben die Ungarn die Grenzen absolut dichtgemacht. Wir haben auf ungarischem Territorium Truppenbewegungen wie zu Zeiten des Eisernen Vorhanges beobachtet“. Die Erklärung des Kommandanten: „Die Ungarn wollen in die EU. Die wollen beweisen, dass auch sie europareif sind.“

So sei es in den vergangen Tagen wiederholt zu einem Wettlauf um illegale Grenzgänger gekommen. „Einmal“, erzählt der Oberst, „haben sich endlich Flüchtlinge der Grenze genähert, unsere Leute waren schon ganz happy, endlich wieder was zu tun, aber drei Meter vor der Grenze haben dann die Ungarn wieder zugeschlagen. Wieder nix!“

 

Junge Frau aus Wrack gezogen: Wen soll Landeshauptmann ehren?

Verwirrung um die Rettung einer Floristin, die auf der Schnellstraße S 31 bei Mattersburg mit ihrem Auto verunglückte. Wie die Behörden zunächst mitteilten, wurde die Schwerverletzte von einem Brüderpaar aus Mörbisch aus dem brennenden Wrack gezogen. Ein Mann aus Mattersburg behauptet jetzt aber: „Ich war bei der Rettung dabei“. Nun weiß Landeschef Karl Stix nicht, wen er für die Lebensrettung ehren soll.

„Es ist damals alles furchtbar schnell abgelaufen“, sagen die Beteiligten. „Ich hab den Unfall im Rückspiegel gesehen, bin sofort stehengeblieben und zum brennenden Auto gelaufen“, erzählt Franz Koch aus Mattersburg. Gemeinsam mit Richard Lang habe er die Schwerverletzte aus dem Wrack gezogen. „Ich kann mich an diesen Lenker nicht erinnern“, meint dagegen Richard Lang. Er habe mit seinem Bruder die Frau geborgen. „Wer später mithalf, weiß ich nicht mehr“.

 

Oberwart

Eine Sprengstoffexplosion hat in der Nacht zum heutigen Sonntag in der Nähe einer Roma-Siedlung in Oberwart vier Menschen das Leben gekostet. Es wird vermutet, dass die vier im Burgenland lebenden Roma eine Tafel sprengen wollten, die angeblich die Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ trug. Dabei ist der Sprengstoff zu früh explodiert. Nach gegenwärtigem Erkenntnisstand gebe es nach wie vor keinen Hinweis darauf, dass es sich bei der Sprengstoffexplosion in Oberwart um einen Anschlag gehandelt hat, erklärte der Journaldienst des Innenministeriums Sonntag Nachmittag gegenüber der APA.